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13.6.01 ; von Petra Paetsch
4. Rennwochenende GTR, 9./10. Juni auf dem Jyllands-Ringen/Dänemark

Unser erster Eindruck vom Jyllands-Ringen ist wohl typisch für die erste Bekanntschaft mit Dänemarks bekanntester Rennstrecke: das Wetter wechselt von einer Sekunde auf die andere von strahlendem Sonnenschein zum Wolkenbruch. Im Gegensatz zu Schweden, das aufgrund seiner Größe und Weite an das europäische Pendant Amerikas erinnert, scheint in Dänemark alles kleinere Dimensionen anzunehmen. Nicht zuletzt die Strecke selbst sieht aus wie eine breite Go-Cart-Bahn.

Bereits im ersten Training entdecken die Fahrer allerdings die Reize dieser Rennstrecke. Nach allgemeiner Aussage macht das Fahren auf dem Jyllands-Ringen Spaß, die nur 1500 Meter lange Strecke ist ziemlich „technisch“ angelegt. Sie bietet Kurven für spannende Überholmanöver, das Publikum kann von nahezu jedem Platz das komplette Renngeschehen verfolgen. Am Jyllands-Ringen kann man selbst in der Boxengasse jederzeit den Blick vom Zeitenmonitor auf das Fahrzeug auf der Strecke wenden. Das einzige Problem ist der Asphalt, auf dieser Rennstrecke den nötigen Gripp zu finden stellt höchste Anforderungen an Reifen, Set-Up, die Mechaniker-Crew und nicht zuletzt den Fahrer.

Corvette und Viper

Der Däne Hans Vestergaard hat vermutlich schon einige Erfahrungen auf der Heimatstrecke gesammelt. Er ist im Chevrolet Corvette sowohl im freien Training Schnellster, als auch im Zeittraining. Mit 45.216 stellt er die Corvette für das erste Rennen – das hier wie die Trainingssessions am  Samstag 9. Juni 2001 ausgetragen wird – auf die Pole Position. Anders Levin im Porsche GT2 ist schnellster Schwede im freien Training. Aber bereits im Qualifying hat Henrik Roos die Viper im Griff:  45.691 bedeutet ebenfalls erste Startreihe.

Viper

9. Juni 2001, Race 1

Wir sind in Dänemark, somit gelten dänische Regeln. Auch auf dem Jyllands-Ringen wird fliegend gestartet, aber derjenige, der die Pole hat, bestimmt die Pace. Für uns, die wir dies nicht gewöhnt sind, sieht es aus als wenn Hans Vestergaard bereits in der Vorrunde am Pace Car vorbei ziehen will. Der schlimmste Frühstart, nach Uwe Alzen, der in der STW an einem Viertel des wartenden Starterfeldes vorbeifuhr weil er vom letzten Startplatz aus die Ampel nicht sehen konnte. Uwe erhielt derzeit 10 Strafsekunden aufgebrummt – es hätte mehr Zeit in Anspruch genommen, dieselben Autos auf der Strecke zu überholen. Hans Vestergaard schoß davon und fuhr einen Start-Ziel-Sieg nach Hause.
Finn Jespersen, ein weiterer dänischer Gaststarter erreichte im 7. Lauf der GTR Saison 2001 den 7. Rang. Erwähnendswert, weil man dafür auch 4 Punkte erhält. Sehenswert ist der Porsche 911 GT ohnehin.

Porsche

Bosse Jonasson, der mit 45.875 vom dritten Startplatz ins Rennen ging und dieses als Zweiter beendete, erhielt 20 Strafsekunden aufgrund Fachrichter-Beschluß aufgebrummt. Das, was für den Polesitter Recht ist, ist für den, der diesen nicht davonfahren lassen will ein Frühstart. Die Mitteilung, dass Bosse nicht Zweiter sondern aufgrund der Strafsekunden Fünfter ist, erhält der Teamchef und GT2-Fahrer des JPS Porsche Racing Teams nach der Siegerehrung. Wieviel Pech und vielleicht auch Ungerechtigkeit kann ein Rennfahrer ertragen, der so gut ist, dass er eigentlich regelmäßig auf dem Podest stehen sollte? Für Bosse ist die Schmerzgrenze überschritten, er entledigt sich des ihm nun nicht mehr zustehenden Pokals und verweigert demonstrativ seine Teilnahme am zweiten Rennen auf dem Jyllands-Ringen.

Podium Lauf 7

Henrik Roos ist ebenfalls irritiert vom „Frühstart“ der Corvette. Auch er versucht gleich das Tempo mitzugehen – die, auf internationalen GT-Sport ausgerichtete Viper verweigert aufgrund der Asphaltverhältnisse und vielleicht der Tatsache, dass es sich hier um ein Sprintrennen nach dänischem Reglement handelt, erst mal ihre Dienste.  Henriks Podestplatz – bei Siegerehrung Dritter, aufgrund der späteren Wertungskorrektur letztendlich Zweiter – ist somit nie gefährdet. Die Punkte für die Pole im nächsten Rennen gehen, wenn auch nur knapp, an Hans Vestergaard. Der fährt Bestzeit mit 45.598, die Viper brennt die zweitschnellste Zeit in den Asphalt: 45.615. Somit gilt auch für das zweite Rennen auf dem Jyllands-Ringen: Hans Vestergaard auf Pole, Henrik Roos dahinter in der ersten Startreihe.

Porsche GT3

In der GT3-Klasse gewinnt Johan Stureson, Porsche 996 GT3 vor Stefan Pfister im Porsche 944 Turbo und Thorbjörn Holmstedt, der im Ferrari 360 Modena seinen Teamkollegen Kari Mäkinen schlägt. Nach Ablauf des zweiten Rennens am Sonntag hat Kari das gewohnte Bild im Team Kumho/Euroracing wieder hergestellt: die Reihenfolge auf den Podiumsplätzen Eins und Zwei der GT3-Klasse ist identisch, Dritter wird Kari Mäkinen im Ferrari 360 Modena. Nicht ganz so erfolgreich, aber dafür eine gelungene Erweiterung des Ferrari-Clan ist der Däne Claus Bertelsen im Ferrari 355CH.


 

10. Juni 2001, Race 2

Der Start zum zweiten GTR-Rennen auf dem Jyllandsringen ist freigegeben. Hans Vestergaard in der Corvette kann wieder die Pace bestimmen – diesmal beenden allerdings Getriebeprobleme bereits am Ende der Start-und-Ziel-Geraden die Demonstration der dänischen Konkurrenzfähigkeit in der GT-Meisterschaft des Nachbarlandes.
Die Viper startet gut, verliert aber im Tumult um die, in der Auslaufzone der ersten Kurve geparkte Corvette einen Platz an Mats Lindén, der sich vom 8. Startplatz blitzartig auf der Innenbahn nach vorn katapultiert. Und einen weiteren an Thed Björk, der im allgemeinen Aufruhr um den Ausfall des Polesitters auch noch an der Viper vorbeigeht. Thed und Matte, beide im Porsche GT3 R respektive GT3 RS vor sich, mit Johan Stureson einen weiteren Porsche 996 GT3 im Nacken, die Reifen sind noch nicht auf Temperatur: wie lange wird der „fliegende Schwede“ brauchen um die neuen Porsche-Fabrikate einzuholen? Die Anwort auf diese Frage werden wir nicht bekommen. Das Pace-Car geht raus, weil Tony Johansson seinen Mercedes CLK im Kiesbett versenkt.

Mercedes CLK

Bis das Fahrzeug aus der Gefahrenzone geräumt ist sind alle Abstände beseitigt und die Reifen der Viper wieder mal abgekühlt. Die Viper braucht eine Runde, nachdem das Pace Car die Bahn verlässt, um das schwarze Gold wieder auf eine geignete Temperatur zu kriegen. Johan Stureson kommt vorbei, der Erfolg ist aber nur von kurzer Dauer, mit nun ausreichendem Gripp ist die Viper wieder vorn. Die Jagd auf Mats Lindén, der mittlerweile von Thed Björk bezwungen wurde, kann beginnen.
Der Kampf um Platz zwei ist spannend – Mats Lindén kann das erste Überholmanöver der Viper wieder rückgängig machen, weil er sich nach der Kurve auf der besseren Linie befindet. Das Gefühl der Gleichwertigkeit kann der Porsche GT3 RS-Pilot knapp eine Runde lang genießen. Die Viper ist eine Giftschlange, pilotiert von einem Mann, der nur einen einzigen Versuch benötigt um zu wissen wie man sein Ziel erreicht: nächste Runde, gleiche Kurve. Diesmal gibt es keine Revanche für Mats Lindén.
Der Abstand zu Thed Björk ist allerdings zu groß, Henrik Roos wird Zweiter in der Viper. Vor Mats Lindén im Porsche GT3 RS. Thed Björk siegt, im Porsche GT3 R – den RS hat Thed in Gelleråsen erfolgreich verschrottet. Kein Problem, Thed Björk kann auch im Vorgänger-Modell gewinnen.

Thed Björks Porsche

Und damit beweisen, dass die GTR Saison 2001 keine Spazierfahrt für Henrik Roos in der Viper wird, den Titel zu verteidigen. Die diesjährige schwedische GT-Meisterschaft ist ein Kampf der Giganten, den nur einer gewinnen kann:  Henrik Roos in der Viper GTS/R oder Thed Björk im Porsche GT3 RS. Die nächste Chance, live dabei zu sein, findet sich am 7./8. Juli in Falkenberg, der von Deutschland aus am nahesten liegenden Rennstrecke an Schwedens Westküste.
Rennwochenende, 19. und 20. Mai in Mantorp Park/Schweden ist gesorgt!

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