GT-One-Logo
31.12.2000 ; von H.Gallinnis
Bilder: ALMS-Website

12.Lauf zur ALMS in Adelaide

Man muß schon eine ans Ungesunde grenzende Menge Motorsportverrücktheit mitbringen um am anderen Ende der Welt ein Rennen am letzten Silvestertag des Jahrtausends anzusetzen und zu organisieren. Don Panoz brachte glücklicherweise neben dieser Unvernunft auch sein bislang überragendes Organisationstalent auf - und sollte dafür fürstlich belohnt werden: 150.000 verkaufte Karten auf dem ehemaligen Formel-1 Stadtkurs, drohten im Vorfeld das Rennen zur 2. größten Sportwagenveranstaltung überhaupt zu machen und damit Sebring - eine von Panoz´s Heimstrecken - auf den dritten Platz der weltweit bestbesuchtesten Sportwagenevents zu verdrängen.


Panoz warb schon am Nürburgring für den spektakulären Saisonabschluß in Australien

26 Wagen waren im Vorfeld gemeldet, nachdem jedoch der einzige LMP675 - ein britischer Pilbeam - im Vorfeld wegen einer fehlenden ACO-Homologation nicht zugelassen wurde (die FIA-Homologation reichte den Rennkommissaren nicht aus) schrumpfte das Feld auf 25 Fahrzeuge zusammen.

Training


Krokodil-Audi
Rinaldo Capello im "Krokodil-Audi"
Wie erwartet belegten die beiden Audi R8 des Joest-Teams die Frontreihe auf dem schnellen Stadtkurs dabei konnte sich der "Krokodil-Audi" von McNish/Capello mit einer 1:23.803 noch 0,2s vor dem traditionell silber/rotem Wagen von Pirro/Biela die Pole sichern. Ein Drama deutete sich aber vor dem Rennen noch um Audi-Stammfahrer und Fahrer-Titelkandidat Allan McNish an. Diesem war durch seine Extra-Punkte für schnellste Rennrunden und Pole-Positions der Fahrertitel nur noch durch eine Nicht-Teilnahme zu nehmen  - und dann verknackste er sich bei der Anreise durch einen zu schweren Koffer einen Rückenwirbel ! Die medizinischen Betreuer bei Audi hatten jedenfalls alle Hände voll zu tun den Hexenschuß des schnellen Schotten rechtzeitig wegzuspritzen.
 So bekam McNishs Partner Rinaldo "Dindo" Capello (im Vorfeld wegen seines Gefährtes als "Crocodil-Dindo" tituliert) zumindest noch eine theoretische Chance den 11 Punkte-Vorsprung seines Partners wegzufeilen, was er mit der Pole-Position zumindest teilweise tat. Zwar wurde im Vorfeld der Australier Brad Jones noch als Ersatzpilot für Allan McNish nominiert, jedoch war dieser zuversichtlich am Renntag die geforderte Distanz im Audi abspulen zu können.

Hinter den Audi belegten die Panoz mit 1s Abstand die drei folgenden Plätze. David Brabham führte dabei die Gruppe der Frontmotorgeschosse an, gefolgt von O´Connell/Katoh im 2.Roadster. Der neue Panoz den Jan Magnussen & Klaus Graf pilotierten konnte dagegen noch keine Akzente setzen. Dafür landete der Wagen nach einem Ausrutscher von Klaus Graf in der Mauer, was der Panoz-Crew eine Extra-Schicht einbrachte.

Neuer und alter Panoz
Jan Magnussen mit Brems-Problemen im "Alien-Panoz"

Hinter den Panoz plazierten sich die beiden schwarzen DAMS-Cadillacs bei ihrer vermeintlichen Abschiedsvorstellung, gefolgt von den beiden Lola von Rafanelli & Konrad, wobei letzterer  von einem Einschlag Charley Slaters am Samstag gebremst worden war.

In der GTS-Klasse belegte das Wendlinger/Beretta/Dupuy-Fahrzeug mit 1:34.402 traditionell hinter den Prototypen die beste Startposition. Für die Oreca-Dodge Viper würde das Adelaide-Rennen wie zuvor verlautete das letzte in der Geschichte der Chrysler-Werksmannschaft werden. Im kommenden Jahr will die Mannschaft sich auf den neuen Dallara-Prototypen konzentrieren. Die Vipers werden im kommenden Jahr an Privat-Teams weiterveräussert.

Die GT-Pole fiel mit 1:36.642 an den Dick Barbour-Porsche von Lukas Luhr/Dirk Müller, gefolgt vom Schwesterfahrzeug, das von Bob Wollek und dem Punkteführenden der GT-Wertung - Sascha Maassen - pilotiert wurde. Direkt dahinter plazierten sich die 3 PTG-BMWs, deren schnellstes Fahrzeug wieder der von Hans Stuck pilotierte M3 war.
 

Rennen

Vor dem Rennstart: Allan McNish ist wieder rennfertig hergestellt worden - ebenso sein R8, nachdem Capello den Krokodil-Audi im Warm-up nach Verlust eines Rades in die Mauer gelegt hatte. Alle sind gespannt ob die Prototypen zuverlässig genug für das 6 h lange Rennen auf dem Stadtkurs sind. Wetter : diesig, 30-35°, möglicherweise Gewitter am Abend.

Start
Start zum Race of 1000 Years
Start: Biela übernimmt die Führung nach der ersten Schikane, dahinter McNish, Brabham und die beiden anderen Panoz. Nach 3 Runden wird der neue 2001er Panoz in die Box geschoben: Überhitzung! In der GT-Kategorie überholt Dirk Müller Sascha Maassen. Beide kämpfen direkt um die GT-Fahrer-Meisterschaft. Der GTS-Porsche kommt mit Aufhängungsschaden an die Box, wird aber schnell repariert.

In der 17.Runde übernimmt McNish die Führung von Biela. In der GTS-Klasse führt Beretta immer noch vor Belloc und der Chamberlain Viper. Bei den GT führt Luhr vor Maassen und Auberleen im BMW (siehe Foto unten).
Nach einer halben Stunde wird die Arbeit am neuen Panoz wegen eines unlösbaren Getriebeproblems aufgegeben. McNish hat inzwischen seine 25 Runden absolviert und ist damit offiziell Meister der 2000er ALMS-Serie. Er führt mit 11s Vorsprung vor Frank Biela. Alle Start-Positionen sind unverändert. Lediglich die hinter dem neuen Panoz liegenden Wagen sind um eine Position aufgerückt.
 

Die Oreca-Viper Nr. 92 kommt mit Überhitzung an die Box. Auf der Strecke fällt der GTS-Porsche Nr.37 mit Antriebswellenbruch aus. In der GT-Klasse hat Boris Said im 2. BMW auf die ersten drei aufgeschlossen. Die 4 führenden Wagen liegen hier innerhalb einer Sekunde.

Brabham kommt als erster an die Box, gefolgt von den Cadillacs. Gleichzeitig fällt Boris Said mit einem Antriebsstrangproblem auf der Strecke aus. Luhr ist auf den 3.Platz zurückgefallen - Massen führt GT jetzt vor Auberleen an. Beide Audis stoppen. McNish bleibt dabei im Wagen. Die beste Medizin gegen Rückenschmerzen scheint eine Rennführung in einem Audi in der ALMS zu sein. 


Auberleen im PTG-BMW gegen die beiden Barbour-Porsche
Nach einer Stunde lautet die Reihung
Audi (McNish) / Audi (Biela) / Panoz (Brabham) / Panoz (O´Connell) / Lola / Cadillac (Bernard) / Cadillac (Goossens)  / Porsche (Maassen) / BMW (Auberleen) / BMW

Wollek hat einen Platten am Porsche und wird obendrein noch vom 78 Audi touchiert. Damit führt der BMW von Cunningham, der von Auberleen übernommen hat. Biela ist in der Folge langsam auf der Strecke unterwegs, während Wollek sich einen neuen Reifen abholt.
Nach einem massiven Dreher verliert Cunningham die Führung in der GT-Klasse an Dirk Müller im Barbour Porsche. Der BMW wird zur Reperatur in die Box geschoben. Marc Goossens im Cadillac ist derweil aufgrund eines Motorschadens ausgefallen. Der Panoz von O´Connell muß ebenfalls wegen eines Bremsproblems die Box für einen längeren Service aufsuchen. McNish bereitet sich darauf vor Biela zu überrunden.
 

Panoz
Die 2.Runde der Boxenstops wird wieder vom Panoz Nr.12 eröffnet - Greg Murphy wechselt für Brabham. Ebenso wechselt die Joest-Truppe beide Fahrer. Der Rafanelli-Lola hält sich weiterhin auf dem 4.Platz hier ist Norman Simon für Didier de Radigues eingestiegen. Der Panoz von Katoh dreht sich nach einem Antriebsschaden auf der Startgerade und blockiert halb die Strecke. Erste Gelbphase! Diese dauert nur kurz an, da der Panoz schnell entfernt werden kann, jedoch wird danach in der Box hektisch am Wagen gearbeitet. Auch der 2. DAMS Cadillac fällt derweil wegen eines Lenkungsdefektes aus. Der BMW von Cunnigham läuft dagegen wieder. 

Nach 2h15min lautet die Reihung
Audi/Audi/Panoz/Rafanelli-Lola/Konrad-Lola/Viper/Porsche(Müller)/Viper/BMW/Porsche(Maassen)
Katohs Panoz ist wieder flott gemacht worden und unterwegs.
Ni Amorim übernimmt die Führung in der GTS-Klasse

Stand nach ca. 3h:
Audi/Audi/Panoz/Rafanelli-Lola/Konrad-Lola/Viper(92)/Viper(91)/Porsche(Müller)/Porsche(Fitzgerald)/Porsche(Dean)

Probleme für den Audi von Pirro: nach einem harten Mauerkontakt ist die Aufhängung gebrochen - aus für den silber-roten Ingolstädter! Auch der Maassen/Wollek-Porsche hat Probleme: ein Getriebewechsel wirft Maassen praktisch aus dem Titelrennen.
Murpheys Panoz bleibt nach einem heftigen Ausritt über die Curbs und Mauerkontakt auf der Strecke stehen. Der Wagen scheint nicht mehr fahrbar zu sein. Murphey rapportiert später ein Bremsversagen. Kurz zuvor ist Norman Simon an der selben Stelle fast abgeflogen. Murphey bringt den Wagen jedoch noch in Gang und zurück an die Box. Dennoch übernimmt Simon im Lola den 2.Platz. Der Audi von Rinaldo Capello hat noch 8 Runden Vorsprung. Katohs Panoz kommt zu einem umfangreicheren Check an die Box. Durch die Arbeit am Panoz Nr.12 rutscht auch der Konrad-Lola auf Platz 3. Sollte es dabei bleiben, wird dies das beste Lola-Ergebnis in der ALMS sein.

Konrad-Lola
Pirro bringt den Wagen Nr.78 wieder irgendwie zum Laufen und zurück in die Box.

2 Stunden vor Ende lautet die Reihung:
Audi/Rafanelli-Lola/Konrad-Lola/Viper(91)/Viper(92)/Porsche(5)/Porsche(30)/Panoz(in Box) / Porsche(15)/ Viper(Chamberlain)

Der BMW Nr.10 von Cunningham geht wieder auf der Strecke. Genauso wie der Panoz Nr.12, der sich an 10.Stelle wieder einreiht - leider zu schnell: wegen Überschreiten der Geschwindigkeit in der Boxengasse darf Jason Bright direkt wieder reinkommen. McNish macht sich für einen weiteren Stint im Audi bereit. Die Rückenschmerzen sind bei 8 Runden Vorsprung wie weggeblasen! Pirro kommt mittlerweile in der Box an.

Eine halbe Stunde später setzt die Dämmerung in Adelaide ein. Die Oreca-Vipern liegen immer noch auf den Gesamträngen 4&5: erstmals ein Gesamt-Podium-Finish bei einem ALMS-Lauf ? Die Führenden 3 Wagen sind durch jeweils 9 Runden voneinander getrennt. Den Konrad Lola, in dem mittlerweile Allan Heath sitzt, jagen die beiden Oreca Vipern.

Oreca-Viper

In der Dunkelheit rutscht de Radigues im 2.plazierten Lola am Ende der Brabham Straight in die Reifenstapel. Reichen die 8 Runden Vorsprung auf den Konrad-Lola? Nein! Für den Lola des in diesem Jahr nicht gerade von Fortuna begünstigten Teamchefs Gabriele Rafanelli ist wieder einmal kurz vor einem Top-Resultat Schluß! Nachdem der Panoz Nr.12 ebenfalls rausrutscht kommt das Pace-Car raus um beide Wagen von den exponierten Stellen bergen zu lassen. Die Viper Nr. 92 profitiert am Meisten davon, da sie vor der Gelb-Phase stoppte und die Boxenstraße unter Gelb geschlossen ist.

Nach dem Restart sitzt Klaus Graf im Panoz Nr.2 und versucht den Rückstand auf den nur noch 4 Runden  vor ihm gewerteten Lola Nr.0 abzufeilen. Vergeblich - denn er rutscht an der selben Stelle wie der Lola in die Reifen, wodurch selbst sein Teamkollege noch durchwischt, bevor die Nr.2 wieder flott gemacht werden kann.  Der Konrad-Lola liegt mittlerweile auf Platz 2. Aber nur 1 Runde dahinter liegt schon die schnellste Oreca-Viper. Kann Franz Konrad den Vorsprung halten?

10Minuten vor dem Ende: Mc Nish ist endlos in Front und könnte eigentlich mit seinen 22 Runden Vorsprung vor der Ziellinie anhalten. Franz Konrad steht mit seinem 2. plazierten Lola vor dem größten Erfolg des Jahres und auf dem dritten Platz liegt sensationell die schnellste Oreca-Viper von Wendlinger/Beretta/Dupuy. Dritter bei den Prototypen wird wohl doch der Panoz Nr.12 werden, den Jason Bright am liegengebiebenen Rafanelli-Lola vorbei fährt. Die in GTS 2.plazierte Viper Nr.92 wird auf dem Podium vom Chamberlain Fahrzeug begleitet werden. In GT fährt Dirk Müller mit 7.Runden Vorsprung auf seinem Teamkollegen dem Fahrertitel entgegen. Dritter wird hier der überlebende 3. BMW. Adelaide wird nicht nur als das letzte Rennen des Jahrtausends in die Sportwagenhistorie eingehen, sondern zusätzlich als das bei dem man nur überleben mußte.

Ergebnis

Platz Nr. Kl. Kl.Pos Fahrer Rnd. Wagen Team Name Beste Rnd.
1 77 P 1 A.McNish, R.Capello 225 Audi R8 Audi Sport North America 1:25.21
2 28 P 2 F.Konrad, C.Slater, A.Heath 204 Lola B2K/10/Ford Konrad Motorsport 1:33.54
3 91 GTS 1 K.Wendlinger, O.Beretta, D.Dupuy 202 Dodge Viper GTS-R Viper Team Oreca 1:36.38
4 92 GTS 2 J.Belloc, N.Amorim 202 Dodge Viper GTS-R Viper Team Oreca 1:35.52
5 5 GT 1 D.Muller, L.Luhr 199 Porsche 911 GT3 R Dick Barbour Racing 1:36.85
6 15 GT 2 J.Graham, R.Wars, C.Menzel 191 Porsche 911 GT3 R Dick Barbour Racing 1:39.14
7 6 GT 3 T.Borcheller, A.Lazzaro 191 BMW M3 Prototype Technology Group 1:37.78
8 61 GTS 3 S.Watson, R.Lintott, M.Duno 190 Chrysler Viper GTS-R Chamberlain Motorsport 1:36.72
9 12 P 3 D.Brabham, G.Murphey, J.Bright 190 Panoz LMP-1 Roadster S/ Elan P Panoz Motor Sports 1:26.53
10 10 GT 4 B. Cunningham, B.Auberleen, N.Jonsson 190 BMW M3 Prototype Technology Group 1:37.25
11 66 GT 5 C.D'Agostin 188 Porsche 911 GT3 R The Racers Group 1:41.29
12 8 GT 6 P.Vuillaume, M.Jurasz, F.Gutierrez 187 Porsche 911 GT3 R Haberthur Racing 1:41.18
13 2 P 4 H.Katoh, J.O´Connell, K.Graf 187 Panoz LMP-1 Roadster S/ Elan P Panoz Motor Sports 1:27.97
14 0 P 5 D.de Radiques, M.Schiattarella, N.Simon 183 Lola B2K/10/Rafanelli V10 Team Rafanelli SRL 1:28.14
15 30 GT 7 M.Fitzgerald, R. Probst, M.Petersen 178 Porsche 911 GT3 R White Lightning Racing 1:38.46
16 78 P 6 F.Biela, E.Pirro 170 Audi R8 Audi Sport North America 1:25.52
17 70 GT 8 J.Mowlem, R.Dean 164 Porsche 911 GT3 R Skea Racing International 1:40.79
18 51 GT 9 B.Wollek, S.Maassen 162 Porsche 911 GT3 R Dick Barbour Racing 1:37.70
19 69 GT 10 J.Pabst, J.Forster, K.Wankum 159 Porsche 911 GT3 R Kyser Racing 1:42.16
Ausgefallen
20 31 P 7 E.Collard, E.Bernard 72 Cadillac Northstar LMP Motorola - DAMS 1:29.05
21 32 P 8 C.Tinseau, M.Goossens 54 Cadillac Northstar LMP Motorola - DAMS 1:29.53
22 71 GT 11 D.Wall, R.Skea 53 Porsche 911 GT3 R Skea Racing International 1:41.05
23 7 GT 12 B.Said 30 BMW M3 Prototype Technology Group 1:38.22
24 37 GTS 4 V.Rice 19 Porsche 911 T Intersport Racing 1:38.18
25 1 P 9 J.Magnussen 2 Panoz 2001 Panoz Motor Sports 1:28.75

Ergebnisse gemäß der ALMS-Website

Zurück zur Berichtseite

Zurück zur Leitseite