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19.5.99 ; von H.Gallinnis

Kleine Dramen... - 5.FIA-GT-Lauf in Zolder am 18.7.99

Der 5. Lauf zur FIA-GT-Meisterschaft in der Limburger Heide sah bei schönen Wetter ein Feld von 22 Wagen am Start. Zwar waren für das Rennen 25 Wagen genannt worden, jedoch fehlten die Fahrzeuge von Bovi (Wagen wohl immer noch krumm), Lafon, Beaverbrook Motorsport und ... 2 der Roock-Wagen. Aus dem Umfeld der Roock-Truppe war lediglich zu hören, daß "politische Gründe" für die Abwesenheit der Fahrzeuge von Ortelli & Eschmann/Hulverscheid entscheidend waren. Es ist zu vermuten, daß hinter den Kulissen Druck auf Ratel & die FIA ausgeübt werden sollte. Statt dessen startete ein belgisches Team unter der Nennung von Roock.

Übergewichtige Oreca Viper in Zolder

Außerdem war das niederländische Marcos-Team wieder Erwarten mit 2 Wagen angetreten. Dies lag wohl am gleichzeitigen Meeting der Belcar, an der MRI auch teilnimmt. Die meisten Zuschauer waren am Rennsonntag wohl aufgrund der belgischen Sportwagen da. Das Rahmenprogramm hielt sich amsonsten in Grenzen. Im Paddock hatte Ratel die für die Serie in Frage kommenden Wagen ausstellen lassen. Ein beeindruckendes Feld von Ferraris, Lamborghinis, Gillets, Venturis, etc.etc. . Aber wird davon je ein Wagen gegen die Oreca-Vipers antreten ?

In Training sah es jedenfalls so aus, als wenn die Handikap-Gewichtsregelung endlich greifen und ein spannendes Rennen garantieren könnte. Die vordere Startreihe war jedenfalls Viper-frei. Die Pole-Position belegte der Lister Storm mit den Piloten Bailey, Wallace und Campbell-Walters. Eine Zehntelsekunde dahinter konnte sich der Roock-Porsche Nr.4 mit Haupt, Ahrle und Hürtgen platzieren. Auch in der 2.Startreihe keine Oreca-Viper: stattdessen standen dort Franz Konrads Porsche (trotz 30kg Handikapgewicht) und ... der Marcos von Cor Euser. Hier war nicht etwa das neue Chassis im Einsatz, sondern nur die beiden alten Wagen. Man hatte lediglich neue Qualifyers eingesetzt und amsonsten einen problemfreien 1.Trainingslauf gehabt. Daß das Team ihre Belcar-Kenntnis von Zolder ausnutzte verneinte Cor Euser: "Jeder gute Pilot lernt so eine Strecke in einer Stunde, wir hatten lediglich keine Probleme wie sonst" (Ein vollständiges Interview mit Cor Euser gibt es in den nächsten Wochen auf diesen Seiten!). Hinter der Chamberlain Viper und dem Freisinger Porsche von Kaufmann/Ligonnet standen dann die beiden Oreca Vipers: Belloc/Duez vor Wendlinger Beretta. Alle diese Fahrzeuge waren innerhalb einer Sekunde! Für einmal sah es nicht nach einem Sieg des französischen Viper-Teams aus.
Rennstart
Start zum 5. FIA-GT-Lauf in Zolder

Beim Start zum Rennen, vor der diesjährigen Rekordkulisse von ca. 20000 Zuschauern, setzte sich der Lister Kraft seiner 12 Zylinder erwartungsgemäß in Front, gefolgt vom Roock & dem Konrad-Porsche sowie dem Marcos. Erst ab der 3. Runde, als sich alle etwas eingefahren hatten, begann die Trainingsreihung zu bröckeln. Als erster wurde der Marcos nach hinten durchgereicht, während sich vorne Julian Bailey im Lister und Claudia Hürtgen im Porsche etwas absetzen konnten. Nachdem Ni Amorim in der Chamberlain Viper, Steffen Widmann in der Belmondo-Viper, Wolfgang Kaufmann im Freisinger Porsche und die beiden Oreca-Vipers mit Marc Duez und Olivier Beretta an Cor Euser vorbeigezogen waren begann sich dieser Zug langsam aber sicher den 3 führenden zu nähern. Der drittplatzierte Altfried Heger im Konrad-Porsche mußte diese Position in der 5.Runde an die Chamberlain Viper abgeben. In der Folge schlossen die folgenden Fahrzeuge immer weiter auf den blau-weißen Porsche von Heger auf, der dann schließlich von der gesamten Gruppe aufgeschnupft & durchgereicht wurde. Zu diesem Zeitpunkt stand der RWS-Porsche der Felbermayrs bereits in der Box. Ein Differentialschaden hatte die Piloten vor einer weitergehenden Teilnahme an der Hitzeschlacht (30°C an der Strecke = 70°C im Wagen) bewahrt.
Kampfgruppe
Diese Kampfgruppe unterhielt rundenlang die Zuschauer: Heger vor Widmann, Kaufmann und Duez

Nach ca. einer halben Stunde stand dann die 2.Oreca-Viper plötzlich an der Box. Oreca hatte im Fahrzeug von Stefan Belloc und Marc Duez erstmalig das sequentielle Getriebe im Rennen einsetzen wollen. Im Training hatte man es schon öfters eingesetzt, aber augenscheinlich bedarf das Aggregat noch einer weiteren Entwicklung. Für einmal würde Oreca wohl keine 16 Punkte in einem Rennen einfahren können. Einige Runden später stieg dann Cor Euser aus dem Marcos. Das Schwesterfahrzeug mit Dupont/Wilhelms hatte schon eine halbe Stunde zuvor die Segel gestrichen. Der Grund für den "Ausfall" waren nicht etwa technische Probleme, sondern daß man die Fahrzeuge für das folgende Belcar-Rennen schonen wollte. Dort fahren die Marcos um die Tabellenführung mit, während in der FIA-GT für die bunten und beliebten, aber veralteten Fahrzeuge kein Blumentopf mehr zu gewinnen ist. Jedoch wollte man Stefan Ratel und den Fans einen Gefallen erweisen. Im Gegensatz zu manchen großen deutschen Werken (siehe Norisring) weiß das finanziell nicht gerade auf Rosen gebettete Marcos-Team wenigstens, was es seinen Fans schuldig ist.

Auf der Strecke hatte derweil Karl Wendlinger das Steuer von Stefan Belloc übernommen. Die Oreca-Mannschaft hatte die mit jeweils 90 kg belasteten Fahrzeuge zu Beginn des Rennens bewußt geschont, dann aber das Tempo aufgedreht. In der Nr.1 war noch die konventionelle Schaltung installiert, die Wendlinger mit einer schnellsten Runde nach der anderen adequat einsetzte. Nachdem er die 2.platzierte Chamberlain Viper von Seiler/Amorim kassiert hatte machte er sich auf die Jagd nach dem mittlerweile von Andy Wallace pilotierten Lister. Das Lister-Team hatte sich an diesem Fahrzeug mit der Strategie gründlich vergriffen. Aufgrund der im Training kaum beanspruchten rechten Reifen hatte man sich entschlossen nach dem 1.Stint zwecks Zeitersparnis nur die linken Reifen zu wechseln. Am heißen Renntag jedoch wurden die verbleibenden Reifen bis zur Karkasse aufgebraucht. "Man fuhr darauf wie auf Eis" klagte Wallace anschließend. Karl Wendlinger bestätigte dies: "Der Lister hatte null Grip" (Zitat MSA). So machte es ihm keine Mühe am britischen 12-Zylinder vorbeizugehen und die obligatorische Oreca-Führung herzustellen, die er bis zum Schluß nicht mehr abgab.

In der Zwischenzeit hatte auf der Strecke ein kleines Vipersterben eingesetzt. Die Chamberlain-Piloten Vann & Gläsel konnten nach einem Unfall ihr Fahrzeug abstellen.  Vorher war die PBR-Viper von Widmann/Portman ausgefallen. Auch das Roock-Team blieb vom Pech nicht verschont. Auf dem 3. Platz liegend rollte Hubert Haupt mit einem Getriebeschaden aus. Ein besonderes Drama spielte sich um die Lokalmatadoren Vincent Vosse und Didier Defourny ab. Mit ihrer PKGL-Viper waren sie unter dem Jubel der einheimischen Zuschauer auf der Strecke bis auf den 2. Platz vorgefahren, bis ca. 1 Stunde vor Schluß beim 2. Fahrerwechsel sich das Fahrzeug nicht mehr starten ließ.
GLPK-Viper
Pech für die belgische PKGL-Viper - auch wenn dieser Boxenstop noch klappte

Kurz vor Schuß erwischte es dann den auf dem 2.Platz liegenden Lister. Jamie-Campbell Walters Wagen begann plötzlich zu rauchen und rollte im hinteren Teil der Strecke mit einem Motorbrand aus. Die Streckenposten konnten zum Glück schlimmere Schäden verhindern aber die 6 Punkte waren zum Teufel. Mindestens genauso schlimm erwischte es die Seikel-Mannschaft. Das Fahrzeug lag auf dem 7.Platz und lag in Schlagdistanz zum Konrad-Porsche, der sich mit einem Leistungsverlust um den Kurs schleppte. Der erste Weltmeisterschaftspunkt lag greifbar nahe - bis der Wagen 10 min vor Schluß aufgrund eines Antriebsschadens nicht mehr bei Start&Ziel vorbeikam.
Podium Zolder
Podium in Zolder: Wendlinger/Beretta vor Amorim/Seiler und Hezemanns/Hart

Zum Schluß erreichten nur 11 Autos das Ziel. Hinter Karl Wendlinger hatte sich das 2.Chamberlain-Fahrzeug von Ni Amorim und Toni Seiler auf den diesmal unumstrittenen 2.Platz vorgefahren. Toni Seiler hatte das Fahrzeug nach einem Dreher, der ihn auf den 6.Platz zurückwarf, wieder an Ni Amorim übergeben, der dann in einer furiosen Aufholjagd auf das Podest fuhr. Dahinter lief das Schwesterfahrzeug des ausgefallenen Listers ein. Der schwarz-silberne, von David Hart und Mike Hezemanns gesteuerte Storm war nach Bremsproblemen im Training vom 17 Startplatz losgefahren.Mike Hezemanns hatte sich eigentlich aufgrund zuweniger gefahrener Runden im Training nicht qualifiziert, jedoch machten die FIA-Kommissare für einmal eine Ausnahme. Auf dem 4.Platz liefen die konstant fahrenden Kaufmann & Ligonnet ein, die damit als einziges Team bei jedem bisherigen Lauf gepunktet haben. Hinter der 2.Belmondo Viper retteten Franz Konrad und Altfried Heger trotz Ladedruckproblemen den letzten Punkt.

Den undankbaren 7 Platz belegte die 2. Freisinger Mannschaft mit Jurasz/Hane, die 1 Runde hinter dem Konrad-Porsche einliefen. Dahinter kamen die Rieds auf ihrem Proton-Porsche ins Ziel.
 

Endergebnis

Platz Startnr. Fahrer Team Land Wagen Runden
1 1 O.Beretta (F), K.Wendlinger (A) Viper Team Oreca F Chrysler Viper - GTS-R 106
2 19 N.Amorim (P), T.Seiler (GB) Chamberlain Motorsport GB Chrysler Viper - GTS-R ´-1:05´´,858
3 34 David Hart, M.Hezemanns (NL) Lister Cars GB Lister Storm GT2 -1
4 15 W.Kaufmann (D), M.Ligonnet (F) Freisinger Motorsport D Porsche 911 GT2 -1
5 21 P.Belmondo, C.Y.Gosselin (F) Paul Belmondo Racing F Chrysler Viper - GTS-R -2
6 7 F.Konrad (A), B.Wollek (F),  Konrad Motorsport D Porsche 911 GT2 -5
7 16 M.Jurasz (A), I.Hane (J) Freisinger Motorsport D Porsche 911 GT2 -6
8 69 Ried (D), Ried (D), Vuillaume (F) Proton D Porsche 911 GT2 -7
9 9 R.Sangiuolo, M.Casadei (I), P.Vuillaume (F) Haberthur CH Porsche 911 GT2 -9
10 5 B.Lievens, M.Meers (B) Roock Sportsystems D Porsche 996 -9
11 77 R.Nearn (GB), E.Palmberger (D), N.Smith (GB) Seikel Motorsport D Porsche 911 GT2 -10
12 25 J.Bailey, A.Wallace, J.Campbell-Walters (GB) Lister Cars GB Lister Storm GT2 -11
13 23 J.Plattier, F.Werner (F) Werner F Porsche 911 GT2 -12
14 33 Vosse (B) DeFourny (B) GL PK Racing Team B Chrysler Viper - GTS-R -23
15 4 A.Ahrle, H.Haupt, C.Hürtgen (D) Roock Racing D Porsche 911 GT2 -27
16 18 C.Gläsel (D), C.Vann (GB) Chamberlain Motorsport GB Chrysler Viper - GTS-R -60
17 22 A.Portmann, S.Widmann (D) Paul Belmondo Racing F Chrysler Viper - GTS-R -61
18 11 C.Euser, H.Buurmann (NL) Marcos Racing International NL Marcos LM 600 -65
19 2 J.P.Belloc (F), M.Duez (B) Viper Team Oreca F Chrysler Viper - GTS-R -78
20 10 H.Wilhelms, V.Dupont (NL) Marcos Racing International NL Marcos LM 600 -88
21 24 H.Felbermayr, H.Felbermayr Jr.(D) RWS Motorsport D Porsche 911 GT2 -98
22 8 M.Neugarten (B), M.Spinelli, L.Cappellari (I) Haberthur CH Porsche 911 GT2 -102

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