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28.11.99 ; von H.Gallinnis

10.FIA-GT-Lauf in Zuhai (China)

Von den angekündigten 34 Wagen für das letzte FIA-GT-Rennen des Jahrtausends blieben am Rennwochenende 27 übrig. Die Boliden von Lister fehlten trotz vorheriger Ankündigung schon in der Nennliste. Allerdings hat der britische Rennstall schon die Teilnahme an der Meisterschaft 2000 mit 2 Autos bestätigt. Eine Besonderheit stellten die erstmalig startenden Lamborghini Diabolo, 4 Fahrzeuge aus der Supertrophy, dar. Auch ein Venturi 600 nahm am Saisonabschlussrennen auf der 4,3km langen Piste teil

Im Training reduzierte sich das Starterfeld um einen weiteren Wagen als der Cirtek/Roock-N-GT-Porsche von Jürgen Lorenz derart heftig in die Mauer gesetzt wurde, daß der Fahrer vorübergehend im Krankenhaus und der Wagen irreparabel im Renntransporter landete. Sportlich tat sich allerdings einiges. Die mit maximalen Handikap-Gewicht antretenden Oreca-Vipers kamen im Abschußtraining nicht so gut mit ihrer bremsenmordenden Fracht zurecht, so standen auf den ersten 2 Startplätzen - nein, nicht etwa 2 Kunden-Vipers - 2 Porsche 911 ! Wolfgang Kaufmann brachte das Kunststück fertig den Freisinger 911er mit einem neuen 3,8l-Motor auf Pole zu stellen. Gleich dahinter konnte sich Sascha Maassen mit dem Konrad 911er plazieren, womit der deutsche Pilot wieder einmal bewies, daß er zurecht in die Liga der Top-Sportwagenchauffeure gehört (kann sich noch jemand an Oschersleben erinnern?)
Versammelt hinter den beiden 911ern sammelte sich die gesamte 5 Fahrzeuge umfassende Viper-Armada mit der Oreca-Viper Nr.2 mit Vosse/Belloc am Steuer als 3.. Erst danach fanden sich die neugekrönten Weltmeister Wendlinger und Belloc in der Startaufstellung wieder, die von ihren Bremsen und diversen Ausritten an einer besseren Position gehindert wurden. Drittbester Porsche war das schweizer Haberthur-Fahrzeug. Der schnellste der 4 Lamborghinis war auf Platz 16 zu finden: das deutsche Fahrzeug von Roessler Motorsport.

Am Renntag stochen die beiden Porsche verfolgt von den Vipern erstmal in Front. Leider verbremste sich Wolfgang Kaufmann schon in der ersten Runde und verbuddelte dabei den Freisinger-Porsche so nachhaltig in den Sand, daß das Safety-Car in Aktion treten musste. Die herausragende Pole war so dahin und Kaufmann und Co Wollek hatten so eine anstrengende Aufholjagd vor sich. Nun war es an Sascha Maassen die Porsche-Flagge aufrecht zu halten. Das schaffte dieser auch bis zur 18.Runde, trotz überhitzender Bremsscheiben. Dann schaffte es Karl Wendlinger die gewohnte Ordnung - Oreca vorneweg - herzustellen.
Seinen Plan die Führung auf ein beruhigendes Polster auszubauen erhielt jedoch 6 Runden später einen Dämpfer. Nach einer Massenkollision mit anschließendem Feuer auf der Strecke trat das Safety-Car erneut in Aktion. Der Megaspeed Porsche von Samson Chan war in den Diabolo von Georges Cabanne gekracht und war anschließend in Flammen aufgegangen. Zum Glück wurde niemand verletzt. Einzig die Streckenposten hatten im Zusammenspiel mit der Feuerwehr 4 Runden lang ihre Mühe den Schlamassel zu beseitigen.

Auch nach der erneuten Freigabe des Rennens blieben Maassen, sowie dessen Partner Konrad die schärfsten Gegner des Kufsteiners. Bis zur 48.Runde als Chef Konrad aufgrund eines Getriebeschadens die Waffen strecken musste! Ein kurzer Ausrutscher von Wendlingers Partner Beretta mit dem in Führung liegenden Auto brachte dann noch mal Spannung ins Spiel, weil der errungene Vorsprung dadurch halbiert wurde. Nach einem erneuten Boxenstopp der Oreca-Viper Nr. 1 führte nämlich für 10 Runden unerwarteterweise die Chamberlain Viper Nr.19 mit Christian Vann & dem Deutschen Christian Gläsel am Steuer. Eine betont spritsparende Fahrweise bei gleichzeitig maximalem Renntempo hatte beide wieder nach vorne gespült. Nach ihrem Stopp waren sie die einzigen die Beretta und Wendlinger noch bis zum Rennende unter Druck setzen konnten.
Ein besonderes Drama spielte sich um den Freisinger Porsche von Kaufmann und Wollek in den letzten Rennrunden ab. Auf der letzten Rille fahrend hatten beide sich wieder auf den 4.Platz vorgekämpft als die vor ihnen liegende Belmondo Viper  plötzlich aufgrund von Brems- & Spritproblemen dramatisch langsamer wurde. Den 3.Platz vor Augen versuchte Kaufmann sich den ausstehenden Splash&go zu sparen. Er konnte sich bis auf 5 Sekunden auf die waidwunde Viper herankämpfen - dann ging ihm in der letzten Runde der Sprit aus.
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Ein weiterer (letzter ?) Sieg für Beretta / Wendlinger beendet die Saison 99.

Nach 3 Stunden & 106 Runden resultierte so der 6.Saisonsieg für Olivier Beretta & Karl Wendlinger. Aufgrund des Ausstiegs von Oreca aufgrund des Mopar-Reynard-Projektes steht zu erwarten, daß beide demnächst ihre Meriten in der ALMS verdienen werden, allerdings steht eine Bestätigung noch aus. Wendlinger:"Ich bin sehr glücklich, daß wir dieses letzte Rennen noch gewinnen konnten. Wir wussten, daß es nicht einfach werden würde. Wir mussten noch einen Extra-Stop einlegen, so daß wir absehen konnten, daß es am Ende knapp werden würde." Nur 17 Sekunden trennten die Oreca-Mannschaft am Ende von der 2.platzierten Chamberlain-Viper der beiden Christians, die damit ihren dritten Rang von Watkins Glen noch toppen konnten und damit einen Saisonabschluß nach Maß hinlegten: beste FIA-GT-Privatiers 1999 ! "Phantastisch! Bestes Privatteam! Ich glaub das noch gar nicht!" war Christian Vann ausser sich vor Freude und lobte anschließend seinen Partner und sein flott arbeitendes Team in den höchsten Tönen. Als dritte retteten Paul Belmondo und Dominic Dupuy den 3.Platz und damit ein weiteres Podium für die gelben Vipers in Ziel. Für die Freisinger-Mannschaft als bestplatziertem deutschen Team war das Rennergebnis unterm Strich nicht so verkorkst, wie die Fahrer es vielleicht erlebt hatten. Da auch der Wagen von Manfred Jurasz und Yukihiro Hane als 6. in den Punkten einlief konnte man sich sogar in der Team-Endwertung als 3. plazieren. Eingerahmt von den beiden Porsches wurde die 2 Oreca-Viper. Ein Ausrutscher in der ersten Runde, sowie eine Kollision mit dem Wieth-Porsche hatten hier alle Aussichten auf eine bessere Position zunichte gemacht. Die Punkteränge verpassten dagegen die Wagen von Haberthur, Proton und Roock - der 2.Konrad-Wagen wurde sogar derart von Defekten gebeutelt, daß er trotz Zielflagge aufgrund der Distanz nicht gewertet wurde.
In der N-GT-Klasse sprach man auf dem Podium fliessend deutsch. Der Eschmann-Hulverscheid-Spadacini-Porsche machte hier klar das Rennen vor dem 911er von Wieth-Wieth, die in der Anfangsphase noch die Kollision mit der Oreca-Viper zu verdauen hatten. Dritte wurden Otto & Erkes auf einem Porsche 946. Der beste Lamborghini plazierte sich als 4. N-GT (und Gesamt-14.), der Venturi als 17. (7.N-GT).

Damit fand eine bedingt durch die Oreca-Doiminanz etwas einseitige FIA-GT-Meisterschaft ihr Ende im fernen China. Das Ein-Klassen-Experiment ist leider gescheitert. Leider hatte man auch dieses Jahr keine ausreichende Handhabe gegen ein mit überlegenen Autos antretendes Team gefunden, wenngleich die Handikap-Gewichte für Oreca wirklich einen Klotz am Bein darstellten. Das Verbot von Werkseinsätzen und die Schaffung der kostengünstigeren GT-Klasse für nächstes Jahr können der Meisterschaft nur gut tun. Wie sagt man noch südlich des Weisswurstäquators: schaun mer moal ...  .

Endergebnis

Platz Nr. Klasse Fahrer Team Wagen Runden
1 1 FIA-GT Beretta/Wendlinger Team Oreca Chrysler Viper GTS-R 105 
2 19 FIA-GT Glasel/Vann Chamberlain Motorsport  Chrysler Viper GTS-R 105
3 21 FIA-GT Belmondo/Dupuy  Belmondo Racing  Chrysler Viper GTS-R 104
4 15 FIA-GT Kaufmann/Wollek Freisinger Motorsport Porsche 911 GT2 103
5 2 FIA-GT Belloc/Vosse Team Oreca Chrysler Viper GTS-R 103
6 16 FIA-GT Jurasz/Hane Freisinger Motorsport Porsche 911 GT2 101
7 9 FIA-GT Garbagnati/Casadei Haberthur Racing Porsche Porsche 911 GT2 101
8 69 FIA-GT Ried/Ried Proton Competition  Porsche 911 GT2 100
9 3 FIA-GT Topping/Schirle/Colombo Roock Racing Porsche Porsche 911 GT2 97
10 72 N-GT Eschmann/Spadacini/Hulverscheid Eschmann Porsche Porsche 996 GT3 96
11 62 N-GT Wieth/Wieth Wieth Racing Porsche Porsche 911 GT2 96
12 18 FIA-GT Ligonnet/Amorim/Hugenholtz Chamberlain Motorsport  Chrysler Viper GTS-R 92
13 63 N-GT Otto/Erkes Jorg Otto Porsche Porsche 964 RS 91
14 74 N-GT Charriol/Lang-Willar Riverside Lamborghini Diabolo 90
15 64 N-GT Zinnow/Eckert Thomas Zinnow  Porsche 964 RS 90
16 73 N-GT Roessler/Reis/Weiland Roessler  Lamborghini Diabolo 88
17 60 N-GT Laville/Leclere/Fabi Michel Laville  Venturi LM600 87
18 76 N-GT Smadja/Graham Smadja  Lamborghini Diabolo 79
Nicht gewertet
  7 FIA-GT Preliasco/Worm Konrad Motorsport  Porsche 911 GT2 56
  6 FIA-GT Konrad/Maassen Konrad Motorsport Porsche 911 GT2 47
  75 N-GT Cabanne/Choi Riverside Lamborghini Diabolo 46
  66 N-GT Muller/Krauss/Alzen PZ Rhein Oberberg Porsche 993 RSR 40
  70 N-GT Li/Chan Gamon Repsol Megaspeed  Porsche 911 GT2 23
  8 FIA-GT Vuillaume/Corbet/Mastronardi Haberthur Racing Porsche 911 GT2 22
  65 N-GT Jurgen/Walter/Prince Albert Jurgen  Porsche 911 GT2 22
  71 N-GT Ma/Chau/Louie FRD MW Racing  Porsche 996 GT3 2

Ergebnisse mit freundlicher Unterstützung von Sportscar World

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